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Steffi Böttger
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Hans Natonek: Letzter Tag in Europa.
Gesammelte Publizistik 1933-1963

In jedem Quartal stellt Message die besten Bücher aus der Feder von Journalisten vor – ein Projekt des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

1. Hans Natonek: Letzter Tag in Europa. Gesammelte Publizistik 1933-1963. Herausgegeben von Steffi Böttger. Leipzig: Lehmstedt Verlag 2013, 372 Seiten, 24,90 Euro

Den Kanon des Journalismus deutscher Sprache zu dokumentieren, das ist neben dem Aufspüren herausragender Neuerscheinungen ein gewichtiges Ziel dieser Top Ten. Werkausgaben, Editionen oder Biografien tragen dazu bei. So erschien in dem erst vor zehn Jahren gegründeten Lehmstedt Verlag in Leipzig 2006 eine Anthologie mit der gesammelten Publizistik 1914-1933 von Hans Natonek (geboren 1892 in Prag, gestorben 1963 in Tucson, USA): Im Geräusch der Zeit (427 Seiten).
Herausgegeben wurde der aufwändige Band von Steffi Böttger, hauptberuflich Schauspielerin. Jetzt ediert die gleiche Herausgeberin einen zweiten Band, nun mit Natoneks Stücken aus dem Exil, darunter viele, bisher ungedruckte Texte aus seinem Nachlass. Beide Bände sind vorbildliche Beispiele einer spezifischen, professionellen Editionskultur für journalistische Werke. Es findet sich alles, was man bei der Lektüre braucht, um solche überzeitlich haltbaren, aber eben in ihrer Zeit verhafteten Texte zu verstehen: kennerische, informative Anmerkungen (S. 311-351), ein Personenregister (S. 353-364) und ein sorgfältiger Quellennachweis. Was fehlt, ist ein biografisches Vorwort – und dies aus bewundernswert gutem Grunde: Steffi Böttger widmet ihrem Protagonisten die gleichzeitig erschienene Biografie Für immer fremd. Das Leben des jüdischen Schriftstellers Hans Natonek, Lehmstedt 2013, 244 Seiten. Alle drei Bände zusammen ermöglichen die Wiederentdeckung eines der ganz großen Journalisten der Weimarer Zeit und des Exils – nun zum Kanon gehörend wie sein Kollege Joseph Roth, über den er mehrfach in liebevoller Weise schrieb.
Prof. Hannes Haas und Prof. Langbuchner, Message 2014